Nachhaltigkeit

Was bedeutet der Megatrend Nachhaltigkeit für die Weiterbildung?

„Was sind die Trends 2011 im E-Learning?“, fragt der Gastgeber des 17. WissensWert Blog Carnival, Prof. Dr. Andreas König. Thomas Jenewein hat geantwortet und formuliert neben seiner Prognose auch Erwartungen. Er wünscht sich in der Lernwelt mehr Diskussion zu den Themen Transformation und Nachhaltigkeit.

Ich finde beide Themen sehr interessant, angesichts meiner Erfahrung im Bereich Umweltbildung ist mir das Thema Nachhaltigkeit allerdings näher. Darüber möchte ich nachdenken und einen Beitrag zur Diskussion leisten.

Woran liegt es also, dass das Thema Nachhaltigkeit sich in der Lernwelt nicht durchsetzt? Ich denke, es hat etwas mit unserem Bedürfnis nach kurzen, knackigen Antworten zu tun. Wie bringe ich das Thema Nachhaltigkeit in meine Bildungsangebote? Reisekosten einsparen, Papier sparen, energieeffiziente IT-Struktur. Das war es dann oft schon. Ja, und dann?

Nach meiner Beobachtung läuft sich das Thema an diesem Punkt schnell tot und man blickt frustriert auf das Ergebnis. Ich möchte es deshalb anders angehen, genauer hinschauen und das Thema Nachhaltigkeit in der Bildung aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Die Zugänge sind mehrdimensional und man muss die unterschiedlichen Dimensionen betrachten:

  • Bildung für nachhaltiges Wirtschaften
  • Gestaltung von Bildungsangeboten für nachhaltige Kompetenzentwicklung
  • Nachhaltiges Management von Bildungsorganisationen

Diese Themen möchte ich zum Gegenstand einer kleinen Blogserie machen und beginne mit der Frage:

Was steckt hinter den Bildungsangeboten für nachhaltige Wirtschaft?

Bildungsangebote werden nicht im luftleeren Raum entwickelt sondern stehen in Beziehung zu der Organisation, für die das Lernangebot entwickelt werden soll, zum Lerninhalt, zum angestrebten Lehrziel und zum angestrebten Kompetenzgrad . Es gibt deshalb keine allgemeingültige Antwort. Ein wesentlicher Aspekt sind die Nachhaltigkeitsziele des Auftraggebers. Dort muss man ansetzen.

Was heißt eigentlich Nachhaltigkeit?

„Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“
Dieses Prinzip formulierte der sächsische Berghauptmann Hans-Carl von Carlowitz in seinem 1713 veröffentlichten Buch über die Entwicklung der Ökonomie in der Waldkultur. Er gilt damit als der Begründer des Nachhaltigkeitsbegriffs.

Integriertes Nachhaltigkeitsdreieck
Quelle: Wikimedia Commons, © Alexandro Kleine

Heute ist nachhaltiges Wirtschaften als eine Querschnittsaufgabe definiert,  bei der ökonomische, ökologische und soziale Folgen wirtschaftlichen Handelns nicht getrennt betrachtet oder gegeneinander ausgespielt werden sollen.

Das von Alexandro Kleine entwickelte integrierte Nachhaltigkeitsdreieck verdeutlicht das Zusammenspiel der Dimensionen und kann unter anderem zur Nachhaltigkeitsbewertung eingesetzt werden.

Um dieses Zusammenspiel komplexer Systeme im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu gestalten, nützt es wenig, die Entwicklung von Bildungsangeboten lediglich aus der Perspektive des „draufsattelns“ zu betrachten. Die allgemein formulierte Frage: „Wie kann ich ein Bildungsangebot mit Nachhaltigkeitsaspekten anreichern?“, begünstigt einerseits Insellösungen, andererseits verstellt sie den Blick auf vorhandene Lösungsmöglichkeiten.

Ansatzpunkte für eine Strukturierung, sehe ich hingegen in unternehmensspezifischen Zielsetzungen, nachhaltigkeitsrelevanten Themen und dem erforderlichem Vertiefungsgrad.

Welche Ziele und Prozesse zur nachhaltigen Entwicklung sollen unterstützt werden?

Durch die große Bandbreite der Nachhaltigkeitsaspekte ist es notwendig, dass Unternehmen sich auf Aktivitäten in ihrem Kerngeschäft fokussieren und in diesem Bereich alle Aktivitäten bündeln. Die erfolgreiche Strategie liegt deshalb nicht in der umfassenden Bearbeitung aller Nachhaltigkeitsthemen, sondern in der konzentrierten Bearbeitung der für das Unternehmensziel relevanten Prozesse.

In allen aufgeführten Feldern und Prozessen sind Bildungsangebote denkbar, die inhaltlich zur Entwicklung nachhaltigen Wirtschaftens beitragen. Geht man aber von der oben beschriebenen Fokussierung auf das Kerngeschäft aus, muss im ersten Schritt der Analyse die unternehmensspezifische Zielrichtung im Mittelpunkt stehen. Geht es um:

  • die verstärkte Ausrichtung von Produktions- oder Dienstleistungsprozessen an Nachhaltigkeitserfordernisse und daraus resultierenden Qualifizierungsbedarf bestimmter Mitarbeitergruppen (Stichwort: Nachhaltig ausgerichtete Produktionsprozesse)
  • die Positionierung in einem Nischenmarkt, durch Entwicklung oder Vertrieb von Produkten die einen besonders sensibilisierten Kundenkreis ansprechen (Stichworte: Ausrichtung auf einen nachhaltigkeitsorientierten Kundenkreis, Ausrichtung auf Bio-, Fair-, Regio-Markt)
  • nachhaltigkeitsbezogene Qualifizierungsangebote als Reaktion auf politische oder gesellschaftliche Entwicklungen (Stichwort: Nachhaltigkeitsorientierte Vorgaben, Gesetze, Richtlinien)

Die Beispiele und möglichen Entwicklungsfelder sind natürlich unvollständig. Es geht mir auch nicht um eine möglichst umfassende Darstellung, sondern um die Darstellung möglicher Ansatzpunkte und den Blick für die Unterschiedlichkeit der Qualifizierungsanforderungen. Der nächste Schritt zielt auf die Orientierung über mögliche Inhalte.

Welche Themen sind für die Entwicklung eines Bildungsangebots im Bereich nachhaltiger Wirtschaft relevant?

Rein branchenorientierte Themen, wie Nachhaltigkeit im Handel, in der Landwirtschaft etc. sollen an dieser Stelle nicht aufgeführt werden, es geht noch nicht um Spezialisierung. Interessant sind die Themen, die für möglichst viele Berufe relevant sind.

Das Institut für Umweltschutz in der Berufsbildung e. V. benennt in einer Studie zur Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung die 6 Themenfelder:

  • Umweltschutz/nachhaltige Entwicklung allgemein
  • Energie
  • Wasser
  • Recycling/Kreislaufwirtschaft
  • Gesundheits- und Arbeitsschutz
  • Bauen und Wohnen

als zentrale Themenfelder für die Entwicklung nachhaltiger Lernangebote. Sie begründen die Fokussierung unter anderem mit der zentralen Bedeutung der Themenfelder und deren Relevanz für alle Berufe. Zitat:

Neben einer exemplarischen Fokussierung und Reduzierung des Umfanges dieser Studie hat diese Ausdifferenzierung mehrere Vorteile:

• Diesen 6 Themenfeldern kommt im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung (Ressourcenverbrauch und Klimaschutz) eine zentrale Rolle zu.

• Die Themen sind für nahezu alle Berufe relevant.

Nach meiner Auffassung wird außerdem der Themenbereich Netzwerke und Allianzen, mit zunehmender Nutzung von Social Media, an Bedeutung gewinnen. Für Unternehmen, die Social Media bereits umfassend einsetzen, gehört dieser Themenbereich meines Erachtens schon heute auf die Liste der relevanten Inhalte.

Als letzter Aspekt zur grundlegenden Strukturierung, bleibt die Frage nach dem geforderten Kompetenzgrad.

In welchem Kontext sollen Themen zur Nachhaltigkeit vermittelt werden?

Zur Bestimmung der Lehrziele, des Komplexitätsgrades und möglichen Vermittlungsformen muss neben der inhaltlichen Erwartung auch die Erwartung an das Ergebnis und der formale Rahmen analysiert werden. Geht es um:

  • ein Lernangebot zur Sensibilisierung aller Mitarbeiter für Nachhaltigkeitsthemen.
  • eine Zusatzqualifizierung für bestimmte Mitarbeitergruppen zu ausgewählten Aspekten
    (Beispiel: Kundenberatung für das Marktsegment Nachhaltigkeit).
  • die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in bestehende Aus- und Weiterbildungskonzepte (Beispiel: Nachhaltiger Umgang mit Energie).

Die Anforderungen an die Konzeption sind bei diesen Beispielen sehr unterschiedlich und reichen von sehr schlichten Settings, im Falle einer Sensibilisierung, bis zu äußerst anspruchsvollen Konzepten, im Falle eines integrativen Ansatzes.

Wenn Sie für sich die Fragen zu allen vorgenannten Aspekten

  • nachhaltigkeitsorientiertes Unternehmensziel
  • mögliche Themenfelder zur Unterstützung dieser Ziele
  • und Kontext, in dem das Bildungsangebot umgesetzt werden soll

beantwortet haben, ist auch der Ansatzpunkt für die Entwicklung eines nachhaltigkeitsorientierten Bildungsangebots vorhanden. Die Konzeption kann beginnen.

Weitere Artikel zum Thema Nachhaltigkeit:

Was macht ein Bildungsangebot nachhaltig?

Wissen allein nützt nichts – Seminare zur Umweltbildung erfolgreich gestalten

Quellen und weiterführende Informationen:

Deutsche UNESCO-Kommission e. V.
Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit

Alexandro Kleine:
Operationalisierung einer Nachhaltigkeitsstrategie, GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

gtz, Zukunftsfaktor Nachhaltiges Wirtschaften

Institut für Umweltschutz in der Berufsbildung e. V.
Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

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Green Learning – nur ein weiteres Buzzword?

 

Picture by Ryan McGuire

Green IT ist ein Schlagwort, das viele Facetten umfasst. Eine dieser Facetten ist Green Learning, ein Thema bei dem Experten aus der E-Learning-Branche gerne abwinken. „Was soll da schon hinter stecken“, lautet der gelangweilte Kommentar. „Nur ein weiteres Buzzword aus dem Marketing-Baukasten“, meint der nächste.

Wenn man Green allein damit begründet, dass durch den Einsatz von Online-Seminaren Reisen zu Präsenzseminaren verringert werden können, mag das Desinteresse gerechtfertigt sein. Ich meine aber, dieser Ansatz wird dem Thema nicht gerecht.

Umweltschutz ist in vielen Unternehmen Bestandteil der Unternehmenspolitik

Ein Blick in die Mitgliederliste vom B.A.U.M, dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e. V., genügt, um zu erkennen, dass hier nicht die Träger selbstgestrickter Pullover versammelt sind. Von Airbus über UNILEVER bis ZF Electonics, die Mitglieder von B. A.U. M sind weder kleine Fische noch Öko-Romantiker.

Umweltorientierte Unternehmen brauchen ökologisch kompetente Mitarbeiter

Ich bin als Umweltberaterin und Umweltbeauftragte ins Berufsleben gestartet. Meine erste Erkenntnis: „Ich kann die Einhaltung der Umweltschutzvorschriften alleine nicht sicherstellen. Ich kann nicht neben jedem Mitarbeiter stehen, um ihn zu beraten, und ich kann ihn auch nicht in ein Regelwerk aus Vorschriften, Anweisungen und Leitfäden zwingen.“ Damit erreicht man kein umweltbewusstes Verhalten. Im schlimmsten Fall erzeugt man Konflikte und Blockadehaltungen.

Was umweltorientierte Unternehmen deshalb brauchen, sind Mitarbeiter, die für umweltgerechtes Verhalten sensibilisiert sind und denen neben dem Wissen über arbeitsplatzbedingte Umweltbelastungen auch angemessene Handlungsangebote zur Verfügung stehen. Das Thema „Umweltgerechtes Verhalten am Arbeitsplatz“ ist zu komplex, um es in diesem Post abzuhandeln. Ich werde deshalb in einem meiner nächsten Artikel ausführlich darauf eingehen.

Wissen über Umweltschutz am Arbeitsplatz muss integriert vermittelt werden

Ein Unternehmen, das es wirklich ernst meint mit dem Umweltschutz, wird sich nicht mit isolierten Umweltschutzseminaren zufrieden geben. Es wird vielmehr erwarten, dass bei jeder Weiterbildung auch umweltrelevante Inhalte integriert werden. Ob es sich dabei um Präsenzseminare oder E-Learning-Angebote handelt spielt meines Erachtens absolut keine Rolle.

Beispiel Metallzerspanung

Bei der zerspanenden Bearbeitung von Werkstücken, wie drehen, fräsen, bohren etc kommen Kühlschmierstoffe zum Einsatz. Sie werden eingesetzt um den Zerspanungsvorgang und das Zerspanungsergebnis zu verbessern. Kühlschmiermittel sind technisch sehr nutzbringend, für die Umwelt und die Gesundheit jedoch alles andere als ungefährlich.

Picture by pixabay.com – CC0

 

Die Vermittlung von Wissen über den Umgang mit Kühlschmierstoffen ist deshalb in den Ausbildungsrahmenplänen für die Erstausbildung vorgeschrieben. Betriebe, bei denen Umweltschutz und Nachhaltigkeit Bestandteil der Unternehmenspolitik ist, werden auch bei Schulungen außerhalb der Erstausbildung Wert auf die Integration entsprechender Inhalte legen.

Bei der Konzeption mediengestützter Lernangebote sehe ich die Herausforderung unter anderem in der kontextsensitiven Verknüpfung der vorhandenen Informationen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz mit den fachlichen Inhalten. Ebenso sind Aufgabenstellungen für die Arbeit in Lerngruppen oder zur Erstellung von Wikis gut realisierbar.

Betrachtet man also Green Learning als einen Begriff, der lediglich mit sinnvollen Inhalten ausgefüllt werden muss, so haben wir es hier keineswegs mit einem Buzzword zu tun.

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