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Wem gehört mein Wissen?

Stellen Sie sich vor, Sie schlagen morgens die Zeitung auf und lesen einen Bericht über ein pfiffiges Projekt in Ihrer Stadt, das am vergangenen Samstag mit der Wunderkind-Medaille™ ausgezeichnet wurde. Es gab einen Empfang mit den üblichen Würdenträgern, eine leidenschaftliche Laudatio und einen strahlenden Preisträger. So weit, so schön aber je länger Sie lesen, desto unschöner finden Sie das Ganze. Das Projekt kennen Sie, Sie kennen es sogar besser als der Preisträger. Sie selbst haben das Konzept vor Monaten ins Netz gestellt. Ein typischer Anfängerfehler von „Digital Naives“.

Ich gebe zu, mein Beispiel ist konstruiert und möglicherweise sind es ganz andere Gründe, die den einen oder anderen davon abhalten, sein Wissen im Netz zu teilen. Der Frage nach den echten Gründen ist Dr. Ilona Buchem in ihrem Seminar „Web 2.0 und die Gesellschaft“ nachgegangen und hat darüber gebloggt.

Frau Dr. Buchem hat vier Begründungsmuster kategorisiert und in zweien davon habe ich mich – zumindest teilweise – wiedererkannt.

Grund 1: „Meine Arbeit teile ich nicht!“

Seit einiger Zeit liegt auf meiner Festplatte ein Konzept mit dem Titel „Fit for Future“. Es ist ein Blended- Learning-Konzept, das ich als Abschlußarbeit im Zertifikatskurs Educational Media erstellt habe. Ich bin der Ansicht, ich habe gute Arbeit geleistet. Was hält mich also davon ab, die Arbeit mit anderen zu teilen?

Nun, möglicherweise kopiert ein anderer meine Arbeit und verkauft sie als eigene. Doch selbst wenn, wo liegt mein Schaden? So sehr ich es auch drehe und wende, einen echten Schaden kann ich nicht erkennen. Geht mein Wissen verloren, verliert es für mich an Wert, ist es so einzigartig, dass ich es nur gegen ein Vermögen tauschen könnte? Wohl nichts von alledem! Ich vertraue also lieber darauf, dass Andere meine CC-Lizenz respektieren und lasse mich auf den Versuch ein.

Immerhin besteht die Möglichkeit, dass sich durch die Veröffentlichung Chancen ergäben. Austausch mit jenen, die sich für ähnliche Themen interessieren, beispielsweise. Oder es greift jemand meine Ideen auf und entwickelt sie weiter. Ich würde mich darüber freuen, wäre stolz darauf.

Grund 2: „Meine Arbeit ist nicht gut/relevant genug zur Veröffentlichung.“

Frau Dr. Buchem fragt dazu in ihrem Blog:

Bedeutet diese Aussage, dass Studierenden andere Maßstäbe nutzen, wenn sie die Arbeit an eine/-n Dozenten/Dozentin (also in einem geschlossenen Raum als eine Art „Trockenübung“) abgeben als wenn sie diese der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen würden?

Ich denke, die Qualität wäre die gleiche. Aus meiner Sicht ist die Erwartungshaltung eine andere. In einer Lehrveranstaltung kann ich mit einer grundsätzlich wertschätzenden Haltung der Beteiligten rechnen. Exponiere ich mich hingegen im Netz muss ich auch mit anderen Reaktionen rechnen. Sich aktiv im Web 2.0 zu beteiligen, heißt in jedem Fall Unsicherheiten auszuhalten. Ohne zu wissen, was man dafür bekommt.

Weil bei mir die Neugier überwiegt, tendiere ich dazu Unsicherheiten in Kauf zu nehmen. Und weil ich den möglichen Gewinn höher einschätze als die sehr theoretischen Verluste scheint mir die einzig logische Antwort auf meine Frage aus der Überschrift: „Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt.“

Was macht ein Bildungsangebot nachhaltig?

Bei nachhaltigen Bildungsangeboten geht es nach meiner Auffassung im Kern darum, Lernende zu unterstützen, in beruflichen Handlungssituationen im Sinne der Leitidee Nachhaltigkeit zu agieren.

Ein nachhaltiges Lernangebot sollte die Fähigkeit fördern, die Abläufe in vernetzten Systemen zu verstehen, Handlungsspielräume zu erkennen sowie Widersprüche und Grenzen der eigenen Entscheidungsfähigkeit auszuhalten. Dazu reicht es nicht aus, Wissen zum Thema Nachhaltigkeit zu vermitteln. Es ist notwendig, Vernetzungen und Abläufe sichtbar zu machen und Möglichkeiten zu schaffen, das Denken in vernetzten Systemen einzuüben.

Ein Beispiel dazu aus der Umweltbildung: Die „Lernspinne“ 

Einen weiteren Nachhaltigkeitsaspekt sehe ich im Transfertauglichkeit von Modellen. Die Übertragung auf andere betriebliche Bereiche oder die Umsetzung in andere Organisationen wird beispielsweise unterstützt durch die Good- Practice-Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und das Portal der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Eine weiterer Beitrag zum Thema: 

Was bedeuted der Megatrend Nachhaltigkeit für die Weiterbildung?

Wissen allein nuetzt nichts – Seminare zur Umweltbildung erfolgreich gestalten

Erfahrungen aus der Verbraucherberatung haben gezeigt, dass das Wissen über umweltbelastende Faktoren nicht ausreicht, um umweltgefährdende Verhaltensweisen zu ändern. Unabhängig vom Grad des Wissens sind es vielmehr die persönlichen Werte und Einstellungen, die bei einem komplexen Thema wie dem Umweltschutz, die individuellen Entscheidungen dominieren.

Das heißt einerseits, solange das Thema Umweltschutz für den Einzelnen nicht emotional besetzt ist, keine persönliche Wertigkeit hat, werden Umweltbelastungen subjektiv als wenig relevant eingeordnet. Andererseits neigen wir in komplexen Entscheidungssitutionen dazu, Komplexität zu reduzieren, indem wir unsere persönlichen Werte und Einstellungen zur Problemlösung heranziehen. Das berühmte „Bauchgefühl“ ist eine wesentliche Entscheidungshilfe in schwierigen Situationen.

Bildungsangebote, die auf umweltbewußtes Verhalten zielen, sollten deshalb nicht auf reine Wissensvermittlung bauen. Wesentlich für den Erfolg in der Umweltbildung ist:

Handlungskompetenz unterstützen

Handlungskompetenz ist kein Modewort, sondern notwendig für umweltbewußtes Verhalten. Neben der Wissensvermittlung müssen Handlungs-, und Informationsmöglichkeiten sowie Wege zur Zielerreichung aufgezeigt werden.

Ein Modell, das im wesentlichen auf den Aufbau von Handlungskompetenz zielt, ist die sogenannte „Lernspinne“. Den Aufbau der „Lernspinne“, Hintergrund und Einsatzszenario habe ich in der Slideshow „Umweltschutz im Betrieb“ beschrieben.

Das Thema Umweltschutz emotionalisieren

Um einen persönlichen Zugang zum Umweltschutz herzustellen, sollte das Thema emotionalisiert werden. Eine gute Gelegenheit dazu ist die Seminareröffnung. Bieten Sie den Seminarteilnehmern die Möglichkeit, sich anhand eines ausgewählten umweltrelevanten Gegenstandes vorzustellen. Nach dem Muster: Mein Name, warum ich mir diesen Gegenstand ausgewählt habe, Fragen/Gedanken dazu.

Transfer unterstützen

Ein Seminar nach dem Modell „Lernspinne“ funktioniert nicht als Seminar „von der Stange“. Um den Transfer in das berufliche Handlungsfeld zu unterstützen, müssen die Inhalte konkret auf  die Probleme und Ziele der Teilnehmer abgestimmt sein. Zum Ende des Seminars sollte jeder Teilnehmer eine deutliche Vorstellung über seine Handlungsmöglichkeiten haben. Das schließt auch die kritische Bewertung des persönlichen Handlungsspielraums ein.

Authentisch sein

Alle Mühen bleiben vergeblich, wenn der Nachhaltigkeitsgedanke nicht in die Durchführung und Organisation umweltbezogener Seminare einfließt. Die Philosophie sollte auch im Veranstaltungsort, im gesamten Seminarablauf und in der Vor- und Nachbereitung wiederspiegeln.

Was bedeutet der Megatrend Nachhaltigkeit für die Weiterbildung?

„Was sind die Trends 2011 im E-Learning?“, fragt der Gastgeber des 17. WissensWert Blog Carnival, Prof. Dr. Andreas König. Thomas Jenewein hat geantwortet und formuliert neben seiner Prognose auch Erwartungen. Er wünscht sich in der Lernwelt mehr Diskussion zu den Themen Transformation und Nachhaltigkeit.

Ich finde beide Themen sehr interessant, angesichts meiner Erfahrung im Bereich Umweltbildung ist mir das Thema Nachhaltigkeit allerdings näher. Darüber möchte ich nachdenken und einen Beitrag zur Diskussion leisten.

Woran liegt es also, dass das Thema Nachhaltigkeit sich in der Lernwelt nicht durchsetzt? Ich denke, es hat etwas mit unserem Bedürfnis nach kurzen, knackigen Antworten zu tun. Wie bringe ich das Thema Nachhaltigkeit in meine Bildungsangebote? Reisekosten einsparen, Papier sparen, energieeffiziente IT-Struktur. Das war es dann oft schon. Ja, und dann?

Nach meiner Beobachtung läuft sich das Thema an diesem Punkt schnell tot und man blickt frustriert auf das Ergebnis. Ich möchte es deshalb anders angehen, genauer hinschauen und das Thema Nachhaltigkeit in der Bildung aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Die Zugänge sind mehrdimensional und man muss die unterschiedlichen Dimensionen betrachten:

  • Bildung für nachhaltiges Wirtschaften
  • Gestaltung von Bildungsangeboten für nachhaltige Kompetenzentwicklung
  • Nachhaltiges Management von Bildungsorganisationen

Diese Themen möchte ich zum Gegenstand einer kleinen Blogserie machen und beginne mit der Frage:

Was steckt hinter den Bildungsangeboten für nachhaltige Wirtschaft?

Bildungsangebote werden nicht im luftleeren Raum entwickelt sondern stehen in Beziehung zu der Organisation, für die das Lernangebot entwickelt werden soll, zum Lerninhalt, zum angestrebten Lehrziel und zum angestrebten Kompetenzgrad . Es gibt deshalb keine allgemeingültige Antwort. Ein wesentlicher Aspekt sind die Nachhaltigkeitsziele des Auftraggebers. Dort muss man ansetzen.

Was heißt eigentlich Nachhaltigkeit?

„Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“
Dieses Prinzip formulierte der sächsische Berghauptmann Hans-Carl von Carlowitz in seinem 1713 veröffentlichten Buch über die Entwicklung der Ökonomie in der Waldkultur. Er gilt damit als der Begründer des Nachhaltigkeitsbegriffs.

Integriertes Nachhaltigkeitsdreieck
Quelle: Wikimedia Commons, © Alexandro Kleine

Heute ist nachhaltiges Wirtschaften als eine Querschnittsaufgabe definiert,  bei der ökonomische, ökologische und soziale Folgen wirtschaftlichen Handelns nicht getrennt betrachtet oder gegeneinander ausgespielt werden sollen.

Das von Alexandro Kleine entwickelte integrierte Nachhaltigkeitsdreieck verdeutlicht das Zusammenspiel der Dimensionen und kann unter anderem zur Nachhaltigkeitsbewertung eingesetzt werden.

Um dieses Zusammenspiel komplexer Systeme im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu gestalten, nützt es wenig, die Entwicklung von Bildungsangeboten lediglich aus der Perspektive des „draufsattelns“ zu betrachten. Die allgemein formulierte Frage: „Wie kann ich ein Bildungsangebot mit Nachhaltigkeitsaspekten anreichern?“, begünstigt einerseits Insellösungen, andererseits verstellt sie den Blick auf vorhandene Lösungsmöglichkeiten.

Ansatzpunkte für eine Strukturierung, sehe ich hingegen in unternehmensspezifischen Zielsetzungen, nachhaltigkeitsrelevanten Themen und dem erforderlichem Vertiefungsgrad.

Welche Ziele und Prozesse zur nachhaltigen Entwicklung sollen unterstützt werden?

Durch die große Bandbreite der Nachhaltigkeitsaspekte ist es notwendig, dass Unternehmen sich auf Aktivitäten in ihrem Kerngeschäft fokussieren und in diesem Bereich alle Aktivitäten bündeln. Die erfolgreiche Strategie liegt deshalb nicht in der umfassenden Bearbeitung aller Nachhaltigkeitsthemen, sondern in der konzentrierten Bearbeitung der für das Unternehmensziel relevanten Prozesse.

In allen aufgeführten Feldern und Prozessen sind Bildungsangebote denkbar, die inhaltlich zur Entwicklung nachhaltigen Wirtschaftens beitragen. Geht man aber von der oben beschriebenen Fokussierung auf das Kerngeschäft aus, muss im ersten Schritt der Analyse die unternehmensspezifische Zielrichtung im Mittelpunkt stehen. Geht es um:

  • die verstärkte Ausrichtung von Produktions- oder Dienstleistungsprozessen an Nachhaltigkeitserfordernisse und daraus resultierenden Qualifizierungsbedarf bestimmter Mitarbeitergruppen (Stichwort: Nachhaltig ausgerichtete Produktionsprozesse)
  • die Positionierung in einem Nischenmarkt, durch Entwicklung oder Vertrieb von Produkten die einen besonders sensibilisierten Kundenkreis ansprechen (Stichworte: Ausrichtung auf einen nachhaltigkeitsorientierten Kundenkreis, Ausrichtung auf Bio-, Fair-, Regio-Markt)
  • nachhaltigkeitsbezogene Qualifizierungsangebote als Reaktion auf politische oder gesellschaftliche Entwicklungen (Stichwort: Nachhaltigkeitsorientierte Vorgaben, Gesetze, Richtlinien)

Die Beispiele und möglichen Entwicklungsfelder sind natürlich unvollständig. Es geht mir auch nicht um eine möglichst umfassende Darstellung, sondern um die Darstellung möglicher Ansatzpunkte und den Blick für die Unterschiedlichkeit der Qualifizierungsanforderungen. Der nächste Schritt zielt auf die Orientierung über mögliche Inhalte.

Welche Themen sind für die Entwicklung eines Bildungsangebots im Bereich nachhaltiger Wirtschaft relevant?

Rein branchenorientierte Themen, wie Nachhaltigkeit im Handel, in der Landwirtschaft etc. sollen an dieser Stelle nicht aufgeführt werden, es geht noch nicht um Spezialisierung. Interessant sind die Themen, die für möglichst viele Berufe relevant sind.

Das Institut für Umweltschutz in der Berufsbildung e. V. benennt in einer Studie zur Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung die 6 Themenfelder:

  • Umweltschutz/nachhaltige Entwicklung allgemein
  • Energie
  • Wasser
  • Recycling/Kreislaufwirtschaft
  • Gesundheits- und Arbeitsschutz
  • Bauen und Wohnen

als zentrale Themenfelder für die Entwicklung nachhaltiger Lernangebote. Sie begründen die Fokussierung unter anderem mit der zentralen Bedeutung der Themenfelder und deren Relevanz für alle Berufe. Zitat:

Neben einer exemplarischen Fokussierung und Reduzierung des Umfanges dieser Studie hat diese Ausdifferenzierung mehrere Vorteile:

• Diesen 6 Themenfeldern kommt im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung (Ressourcenverbrauch und Klimaschutz) eine zentrale Rolle zu.

• Die Themen sind für nahezu alle Berufe relevant.

Nach meiner Auffassung wird außerdem der Themenbereich Netzwerke und Allianzen, mit zunehmender Nutzung von Social Media, an Bedeutung gewinnen. Für Unternehmen, die Social Media bereits umfassend einsetzen, gehört dieser Themenbereich meines Erachtens schon heute auf die Liste der relevanten Inhalte.

Als letzter Aspekt zur grundlegenden Strukturierung, bleibt die Frage nach dem geforderten Kompetenzgrad.

In welchem Kontext sollen Themen zur Nachhaltigkeit vermittelt werden?

Zur Bestimmung der Lehrziele, des Komplexitätsgrades und möglichen Vermittlungsformen muss neben der inhaltlichen Erwartung auch die Erwartung an das Ergebnis und der formale Rahmen analysiert werden. Geht es um:

  • ein Lernangebot zur Sensibilisierung aller Mitarbeiter für Nachhaltigkeitsthemen.
  • eine Zusatzqualifizierung für bestimmte Mitarbeitergruppen zu ausgewählten Aspekten
    (Beispiel: Kundenberatung für das Marktsegment Nachhaltigkeit).
  • die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in bestehende Aus- und Weiterbildungskonzepte (Beispiel: Nachhaltiger Umgang mit Energie).

Die Anforderungen an die Konzeption sind bei diesen Beispielen sehr unterschiedlich und reichen von sehr schlichten Settings, im Falle einer Sensibilisierung, bis zu äußerst anspruchsvollen Konzepten, im Falle eines integrativen Ansatzes.

Wenn Sie für sich die Fragen zu allen vorgenannten Aspekten

  • nachhaltigkeitsorientiertes Unternehmensziel
  • mögliche Themenfelder zur Unterstützung dieser Ziele
  • und Kontext, in dem das Bildungsangebot umgesetzt werden soll

beantwortet haben, ist auch der Ansatzpunkt für die Entwicklung eines nachhaltigkeitsorientierten Bildungsangebots vorhanden. Die Konzeption kann beginnen.

Weitere Artikel zum Thema Nachhaltigkeit:

Was macht ein Bildungsangebot nachhaltig?

Wissen allein nützt nichts – Seminare zur Umweltbildung erfolgreich gestalten

Quellen und weiterführende Informationen:

Deutsche UNESCO-Kommission e. V.
Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit

Alexandro Kleine:
Operationalisierung einer Nachhaltigkeitsstrategie, GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

gtz, Zukunftsfaktor Nachhaltiges Wirtschaften

Institut für Umweltschutz in der Berufsbildung e. V.
Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

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Wollen die Manager Social Media?

Michael Hengl bloggt im Harvard Business Manager über die Blockadehaltung von Führungskräften bei der Nutzung von Social Media in Unternehmen. Er plädiert für eine Demokratisierung der Kommunikationskultur und fordert auf, die kollektive Intelligenz der Mitarbeiter zu nutzen. Als Motive der Widerspenstigen führt er Angst vor Veränderung und Machtverlust sowie Überforderung und Mangel an Weitsicht an. Michael Hengl schließt den Artikel zuversichtlich ab und prognostiziert, dass sich Social Media trotz aller Widerstände durchsetzen werde. Weil die Vorteile überwiegen!

einige menschliche Schwächen

 

Der Artikel beschreibt die Motive für die ablehnende Haltung der Manager sehr einleuchtend. Hengl’s Annahmen über die Chancen von Social Media finde ich jedoch angesichts der Realität in vielen deutschen Unternehmen übertrieben optimistisch.

Menschen werden von Motiven und Präferenzen getrieben

Wo die Internetnutzung durch Betriebsvereinbarungen geregelt wird, Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber bespitzelt werden und der Anteil der hochmotivierten Beschäftigten sich im Sinkflug befindet, sollte man die Innovationskraft von Social Media nicht durch die Brille des Romantikers betrachten. Hierarchische Strukturen, eine Kultur des gegenseitigen Mißtrauens und permanenter Profilierungsdruck passen einfach nicht zusammen mit partnerschaftlicher Zusammenarbeit, offener Kommunikation und der freien Entscheidung sein Wissen zu teilen. Diese Gegensätze zu überbrücken wird schwierig sein, es erfordert einen Wandel in der Unternehmenskultur. So etwas dauert und muss gewollt sein.

Was ich Hengl nicht recht glauben will, ist das Argument der Überforderung, des Nichtverstehens der Medien. Kann es nicht auch so sein? Wer teile und herrsche zum Führungsprinzip erkoren hat, wird lieber als digitaler Idiot dastehen, als einen Schnipsel seines Herrschaftswissens preiszugeben. Warum sollte er das auch tun? Im Interesse des Unternehmens? Die Interessen der Manager können mit den Interessen des Unternehmens übereinstimmen, müssen es aber nicht. Ich denke nicht, dass die Manager die Chancen von Social Media generell nicht erkennen oder nicht verstehen. Im Gegenteil! Einige haben sich wohl lediglich entschieden ihren eigenen Präferenzen den Vorrang zu geben.

Weitere Links zum Thema:

Nur 36% dürfen Social Media uneingeschränkt nutzen

Social Media Kommunikation im Unternehmen erwünscht?

10 Unternehmen, die auf Social Media verzichten sollten

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Green Learning – nur ein weiteres Buzzword?

 

Picture by Ryan McGuire

Green IT ist ein Schlagwort, das viele Facetten umfasst. Eine dieser Facetten ist Green Learning, ein Thema bei dem Experten aus der E-Learning-Branche gerne abwinken. „Was soll da schon hinter stecken“, lautet der gelangweilte Kommentar. „Nur ein weiteres Buzzword aus dem Marketing-Baukasten“, meint der nächste.

Wenn man Green allein damit begründet, dass durch den Einsatz von Online-Seminaren Reisen zu Präsenzseminaren verringert werden können, mag das Desinteresse gerechtfertigt sein. Ich meine aber, dieser Ansatz wird dem Thema nicht gerecht.

Umweltschutz ist in vielen Unternehmen Bestandteil der Unternehmenspolitik

Ein Blick in die Mitgliederliste vom B.A.U.M, dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e. V., genügt, um zu erkennen, dass hier nicht die Träger selbstgestrickter Pullover versammelt sind. Von Airbus über UNILEVER bis ZF Electonics, die Mitglieder von B. A.U. M sind weder kleine Fische noch Öko-Romantiker.

Umweltorientierte Unternehmen brauchen ökologisch kompetente Mitarbeiter

Ich bin als Umweltberaterin und Umweltbeauftragte ins Berufsleben gestartet. Meine erste Erkenntnis: „Ich kann die Einhaltung der Umweltschutzvorschriften alleine nicht sicherstellen. Ich kann nicht neben jedem Mitarbeiter stehen, um ihn zu beraten, und ich kann ihn auch nicht in ein Regelwerk aus Vorschriften, Anweisungen und Leitfäden zwingen.“ Damit erreicht man kein umweltbewusstes Verhalten. Im schlimmsten Fall erzeugt man Konflikte und Blockadehaltungen.

Was umweltorientierte Unternehmen deshalb brauchen, sind Mitarbeiter, die für umweltgerechtes Verhalten sensibilisiert sind und denen neben dem Wissen über arbeitsplatzbedingte Umweltbelastungen auch angemessene Handlungsangebote zur Verfügung stehen. Das Thema „Umweltgerechtes Verhalten am Arbeitsplatz“ ist zu komplex, um es in diesem Post abzuhandeln. Ich werde deshalb in einem meiner nächsten Artikel ausführlich darauf eingehen.

Wissen über Umweltschutz am Arbeitsplatz muss integriert vermittelt werden

Ein Unternehmen, das es wirklich ernst meint mit dem Umweltschutz, wird sich nicht mit isolierten Umweltschutzseminaren zufrieden geben. Es wird vielmehr erwarten, dass bei jeder Weiterbildung auch umweltrelevante Inhalte integriert werden. Ob es sich dabei um Präsenzseminare oder E-Learning-Angebote handelt spielt meines Erachtens absolut keine Rolle.

Beispiel Metallzerspanung

Bei der zerspanenden Bearbeitung von Werkstücken, wie drehen, fräsen, bohren etc kommen Kühlschmierstoffe zum Einsatz. Sie werden eingesetzt um den Zerspanungsvorgang und das Zerspanungsergebnis zu verbessern. Kühlschmiermittel sind technisch sehr nutzbringend, für die Umwelt und die Gesundheit jedoch alles andere als ungefährlich.

Picture by pixabay.com – CC0

 

Die Vermittlung von Wissen über den Umgang mit Kühlschmierstoffen ist deshalb in den Ausbildungsrahmenplänen für die Erstausbildung vorgeschrieben. Betriebe, bei denen Umweltschutz und Nachhaltigkeit Bestandteil der Unternehmenspolitik ist, werden auch bei Schulungen außerhalb der Erstausbildung Wert auf die Integration entsprechender Inhalte legen.

Bei der Konzeption mediengestützter Lernangebote sehe ich die Herausforderung unter anderem in der kontextsensitiven Verknüpfung der vorhandenen Informationen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz mit den fachlichen Inhalten. Ebenso sind Aufgabenstellungen für die Arbeit in Lerngruppen oder zur Erstellung von Wikis gut realisierbar.

Betrachtet man also Green Learning als einen Begriff, der lediglich mit sinnvollen Inhalten ausgefüllt werden muss, so haben wir es hier keineswegs mit einem Buzzword zu tun.

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Konzept/Architektur von modernen Lernumgebungen

Martin Ebner stellt auf seinem Blog die Präsentation seines Habilitationsvortrags zur Verfügung. Die Slideshow bietet einen Überblick zur Entwicklung des E-Learning seit den 60er Jahren. Der Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von Learning Management Systemen zu persönlich konfigurierbaren Lernumgebungen (PLE. )

Martin Ebner, Konzept/Architektur von modernen Lernumgebungen

Als Ausblick beschreibt Ebner wie moderne Lernumgebungen  ausgestattet werden können, um nicht nur die Lerninhalte sondern auch die Lernprozesse zu individualisieren.

Check out this SlideShare Presentation:

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Linktipp: Die Wahl der richtigen Wiki-Software

Wikis können im E-Learning vielfältig eingesetzt werden. Vor allem für komplexe Handlungsaufgaben und kooperative Lernformen bieten sich Wikis als Wissenwerkzeug an.

Zur Erstellung von Wikis gibt es mittlerweile eine Vielzahl freier Systeme. Wolfgang Sommergut hat verschiedene Tools zur Einrichtung eines Wikis untersucht und darüber gebloggt. Er stellt seinen Anforderungskatalog vor, beschreibt die Funktionalitäten verschiedener Wiki-Systeme und begründet schließlich seine Auswahl. Ein sehr schöner, leicht verständlicher Bericht, den ich allen empfehle, die ihre ersten Schritte zum Einsatz eines Wikis machen.

Die Wahl der richtigen Wiki-Software


Weitere Informationen:

Wiki Engins im Vergleich

Offizielle Homepage zu Wiki

Qualität kommt von Qual

Lerntexte sind ein wesentlicher Bestandteil aller klassischen E-Learning-Angebote. In vielen Fällen werden die Lerninhalte sogar ausschließlich über Texte dargeboten. Umso wichtiger sind gut verständliche Texte.

Es gibt Texte, die sind eine Qual. Einfach nur quälend, ohne dass man eine besondere Qualität erkennt. Weniger diplomatisch gesagt, es sind ganz schlicht schlechte Texte. Richtig schlimm wird es aber, wenn solche Texte in einem Lernprogramm vorkommen. Lerntexte müssen Aufmerksamkeit wecken, klar und verständlich sein. Der einzige, der sich bei einem Lerntext quälen darf, ist der E-Learning-Autor. Dann stimmt der Satz wieder. Qualität kommt von Qual.

Das Dilemma mit der Expertensprache

Mal angenommen, Sie haben Schuhgröße 40, kaufen aber ein paar Schuhe in Größe 38 mit der Begründung: „Da werden meine Füße sich eben dran gewöhnen müssen.“ Klingt absurd, oder? Mit dem gleichen Begründungsmuster mutet man Lernenden aber oft zu, sich nicht nur durch einen neuen Lernstoff sondern auch noch durch formalistische Expertensprache zu kämpfen. Ob es sich nun um das berühmte Amtsdeutsch oder Eigenheiten einzelner Fachbereiche handelt, allen ist gemeinsam, dass Außenstehende nur schwer Zugang zum Kern der Sache finden.

Experten sind oft der Meinung, die Lernenden müssten sich eben an formalistische Formulierungen gewöhnen. Schließlich sollen Sie ja auch im beruflichen Umfeld mit diesen Formulierungen klar kommen. Deshalb ist die Sprache der Experten ein typisches Konfliktfeld zwischen E-Learning-Autor und den beteiligten Fachexperten in einem E-Learning-Projekt. Dass es sich lohnt, in solchen Fällen Überzeugungsarbeit zu leisten, will ich mit einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Sehen Sie selbst, wie der folgende Satz auf Sie wirkt:

Es ist sicherzustellen, dass eine Kontamination der natürlichen Umwelt nicht zu besorgen ist.

Für geübte „Amtsdeutschversteher“ sicher kein Problem. Aber ich stelle mir einen Lerner vor, der nie zuvor mit Behördendeutsch konfrontiert war. Allein vor dem Bildschirm, mit diesem Satz. Ich behaupte: „Der Lerner ist so sehr mit der „Entschlüsselung“ der Worte beschäftigt, dass er den Satzinhalt nicht mehr aufnimmt.“ Und, es geht doch einfacher:

„Stellen Sie sicher, dass eine Verunreinigung des Bodens ausgeschlossen ist.“

Anders als in einem Seminar haben Lernende beim E-Learning keine Chance nachzufragen, Unverständnis oder Frustration zu äußern. Man sollte deshalb besonders im Grundlagenbereich komplizierte Formulierungen und Expertensprache vermeiden.

Qualität kommt von Qual, ganz richtig! Allerdings sollte sich der Autor quälen, nicht die Lernenden.

Über neue Technologien und Innovationen

Achtzig neue Technologien werden das eLearning prägen

Titelt Check.point eLearning und berichtet über die aktuelle Lerntrendprognose führender Marktforschungs- und Beratungsunternehmen in den USA. Eines der zitierten Unternehmen ist Brandon Hall und deren Mitgliederverzeichnis liest sich wie ein Who’s Who der E-Learning-Branche. Die genannten Technologien sind nicht so richtig neu und es sind auch nicht Achtzig sondern eigentlich nur Zehn. Der Rest beruht auf einer Einschätzung von Brandon Hall und wird nicht näher erläutert. Aber um die Zahlen geht es mir garnicht. Was mich bei solchen Meldungen viel mehr interessiert sind Fragen wie: „Worin besteht die angekündigte Prägung? Welche Verbesserungen für das Lehren und Lernen bringen die neuen Technologien?“


Werden die neuen Technologien das Lernen revolutionieren?

Laut Brandon Hall hat die Revolution bereits stattgefunden und zwar durch Lernmanagementsysteme (LMS). Auch dies wird nicht belegt und ich denke, solche hingeworfenen Aussagen schaden mehr als sie nutzen. Mit der Prognose kommender Trends, verstärkt durch kernige Übertreibungen, erzeugt man zwar ein kräftiges Rauschen in den Medien, läuft aber am Ende Gefahr mal wieder ohne Kleider da zu stehen.

Es ist ja keineswegs neu, dass man E-Learning mit vollmundigen Versprechungen an den Mann, beziehungsweise an die Wirtschaft, bringen will. Effizienter, effektiver, kostengünstiger sind die Stichworte die mir spontan einfallen. Der Euphorie folgte bisher immer schnell ein Kater und die Glaubwürdigkeit hat auch bereits gelitten.

Mit weiteren Superlativen und dem Ausrufen immer neuer Bildungsrevolutionen erzeugt man letztlich eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit die immer schwerer überbrückbar ist. Zum Einsatz neuer Medien in der Bildung schreibt Michael Kerres:

Aus mediendidaktischer Sicht besteht kein Grund, bestimmte Medien anderen als solche vorzuziehen. Es gibt keine innovativen und antiquierten Medien für Lehr- und Lernzwecke. Und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass die Einführung bestimmter Medientechniken Innovationen oder gar Revolutionen in der Bildungsarbeit auszulösen vermögen.

Kerres ist keineswegs der einzige Skeptiker, wenn es um den impliziten didaktischen Mehrwert neuer Medien und Technologien geht. Wolfgang Neuhaus zitierte bereits im vergangenen Jahr in seinem Blogeintrag„Die Macht technologischer Innovationen“ drei weitere Kolleginnen und Kollegen, die sowohl seine als auch Kerres‘ kritische Haltung teilen.

Revolution vorerst abgesagt

Durch wen oder durch welche Technologien E-Learning künftig geprägt sein wird ist damit aus meiner Sicht noch offen. Technologien wie zum Beispiel „Social Software“ können ganz sicher sinnvoll in Bildungsprozessen zur Anwendung kommen. Allerdings sehe ich die Deutungshoheit über das innovative Potenzial weder bei Marktforschern noch bei New-Media-Experten.

Zitat: Kerres,Michael: Multimediale und telemediale Lernumgebungen: Konzeption und Entwicklung, Oldenbourg 2001

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